
Der Lattenzaun, aktualisierte Fassung des Morgenstern-Gedichtes für das 21. Jahrhundert, JeannieU, 2009
Endlich ist die letzte Idee zum Thema “Fische” in meinem Acryl-Malkurs fertig geworden; wenn auch sehr verspätet und so gar nicht wie geplant.
Ich wollte das Gedicht “Fisches Nachtgesang” von Christian Morgenstern malerisch umsetzen – und zwar buchstäblich, also als eine verschwimmende, silberne Zeichnung auf Nachtblau.
Während ich begann, die zunehmend dunkler werdenden Blaus auf den Untergrund zu spachteln, fragte ich mal so in die Runde, wer denn noch Morgenstern und seine Galgenlieder kennt. Niemand. Das ist unverdient. Ich gebe zu, selbst meine Lieblings-Moritat vom Lattenzaun ist wohl nicht mehr ganz zeitgemäß. Sie handelt von einem Architekten, der aus den Zwischenräumen des besagten Lattenzaunes ein Haus baut und nach Amerika flieht, als diese Leichtbau-Nummer rauskommt. Man müsste mit einem Beispiel aus heutiger Zeit wieder mehr von dem alten Biss hineinbringen, so in der Art vielleicht wie nebenstehend …
Meine Leichtigkeit des Spachtelns kam abrupt zum Stoppen, als ich die ersten Acryl-Blaus mit Schwarz mischte. Das Ergebnis war sehr unbefriedigend; ich mußte also den letzten nachtblauen Farbton kaufen und das bedeutete für mich inzwischen leider wieder, nach Hamburg zu fahren. In der TUBE an der Moorweidenstrasse (nahe Dammtor) fand ich das Gesuchte – und mehr. Den Laden kann ich nur wärmstens empfehlen, was Auswahl und Preise betrifft.
Als der blaue Grund des Bildes schließlich fertig und getrocknet war, amüsierte ich mich eine Weile damit ihn zu fotografieren. Die Farbänderungen bei Unterbelichtung (z.B. teilweise abgedecktem Blitz) waren faszinierend. Ich räumte dabei eben noch eine halbfertige Collage aus dem Weg – und da war es auch schon passiert. Wenig später war nicht mehr viel von dem blauen Untergrund übrig; allerdings lehnte jetzt “Mein Weg” fertig an der Staffelei. So etwas kann einen um Wochen zurückwerfen…
Doch immerhin hatte ich ja eines zur Genüge: Fotos des Hintergrundes, bevor er zerschnitten wurde. Also habe ich letzte Woche Photoshop und das Grafiktablett angeworfen und das Gedicht digital über eines der Fotos gemalt. Man könnte “Fisches Nachtgesang” also ein “beinahe gemaltes Bild” nennen.

Fisches Nachtgesang, DigiPic, JeannieU, 2009